Während Nachhaltigkeit zunehmend in den Fokus von Privatpersonen, Unternehmen und Staaten rückt, verdienen auch die Begriffe in diesem Bereich ein tieferes Verständnis. Einer dieser Begriffe ist der „Produkt-CO₂-Fußabdruck“.
Diese Kennzahl steht im Zentrum der Messung der Umweltwirkung eines täglich genutzten Produkts und bedeutet weit mehr als einen bloßen Zahlenwert. Doch was genau bedeutet der Begriff, warum ist er wichtig und wie wird er berechnet?
In diesem Beitrag betrachten wir alles Wissenswerte rund um den Produkt-CO₂-Fußabdruck im Kontext der Nachhaltigkeit.
Was ist der Produkt-CO₂-Fußabdruck?
Der Produkt-CO₂-Fußabdruck (Product Carbon Footprint – PCF) bezeichnet die gesamten Treibhausgasemissionen, die ein Produkt „vom Rohstoff bis zur Entsorgung oder zum Wiederwerden als Rohstoff“ – also von der Wiege bis zur Bahre – durchläuft. Einige Stellen bezeichnen diese Perspektive auch als „Cradle-to-Grave-Carbon-Footprint“. Der Wert wird meist in „kg CO₂e / Produkteinheit“ angegeben.
Zur Berechnung des CO₂-Fußabdrucks eines Produkts wird der Lebenszyklusansatz verwendet. Dieser Ansatz findet sich vor allem in der Ökobilanz (LCA). Auch der Produkt-CO₂-Fußabdruck wird nach diesem Ansatz bewertet.
Wichtig: LCA und Produkt-CO₂-Fußabdruck nutzen dieselbe Methodik, unterscheiden sich aber in Umfang und Fokus.
LCA und Produkt-CO₂-Fußabdruck: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Der Lebenszyklus eines Produkts
Der Lebenszyklus umfasst in seiner einfachsten Form alle Prozesse eines Produkts „vom Rohstoff bis zur Abfallbeseitigung“. Je nachdem, welche Phasen des Lebenszyklus die Analyse abdecken soll, wird kategorisiert.
- Cradle-to-Gate: Bezeichnet den Prozess eines Produkts vom Rohstoff bis zum Verlassen der Produktionsstätte.
- Cradle-to-Grave: Umfasst, wie der Name nahelegt, den gesamten Weg eines Produkts vom Rohstoff bis zur Entsorgung.
- Cradle-to-Cradle: Im Sinne der Kreislaufwirtschaft beschreibt dies den Weg vom Rohstoff über die Abfallphase bis zurück zum Rohstoff durch Recycling.

Warum werden PCF-Analysen durchgeführt?
PCF-Berechnungen werden primär mit Blick auf vier Ziele (oder deren Varianten) geplant und umgesetzt.
Unternehmerische Nachhaltigkeit
Einer der komplexesten Bereiche des nach ISO 14064 berechneten Corporate Carbon Footprint sind die Emissionen aus der Lieferkette, die unter Scope 3 fallen.
Die CO₂-Fußabdrücke der von Unternehmen hergestellten Produkte werden in diesen Scope-3-Emissionen erfasst. Für eine normkonforme Corporate-Carbon-Footprint-Erklärung ist die PCF-Berechnung daher von zentraler Bedeutung.
Regulatorische Compliance
Obwohl es weltweit aktuell keine direkte Regulierung zum Produkt-CO₂-Fußabdruck gibt, existieren für verschiedene PCF-Varianten wie CBAM Vorgaben.
PCF-Berechnungen bringen damit unmittelbar die Konformität mit Regularien wie CBAM mit sich.
Künftig gilt es als sicher, dass spezifische Regularien für produktbezogene Emissionen eingeführt werden.
Ausrichtung am Konsumverhalten
Mit steigender Produktionskapazität und wachsendem Nachhaltigkeitsbewusstsein tendieren Konsumenten zunehmend zu Produkten mit geringen CO₂-Emissionen.
CO₂-Bepreisung
Aufgrund künftiger Regularien ist zu erwarten, dass Produkte mit hohem CO₂-Fußabdruck kostenintensiver werden.
Beispiel: Obwohl CBAM den Produktpreis nicht direkt erhöht, kann es über „CO₂-Steuern“ zusätzliche finanzielle Belastungen für Hersteller schaffen.
Wie wird der Produkt-CO₂-Fußabdruck berechnet?
Für die Berechnung des PCF werden verschiedene Referenzstandards herangezogen:
- ISO 14067 (Standard für Produkt-CO₂-Fußabdruck)
- ISO 14040 und ISO 14044 (LCA-Methodik)
- PAS 2050 (primär für Landwirtschaft und Lebensmittel)
Von diesen Standards wurde ISO 14067 speziell für den Produkt-CO₂-Fußabdruck entwickelt und ist der in diesem Bereich am weitesten verbreitete und vertrauenswürdigste Standard.
ISO 14067
ISO 14067 bietet Standards für die Berechnung und Berichterstattung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks. Er basiert direkt auf ISO 14044, dem Standard der LCA-Methodik.
Die ISO definiert ISO 14067 als „eine Methodik zur Bewertung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks auf Grundlage der ISO 14044:2006, die ausschließlich das globale Erwärmungspotenzial (GWP) abdeckt“.
LCA und ISO 14044 betrachten die Umweltauswirkungen eines Produkts in vielen Kategorien. Produkt-CO₂-Fußabdruck und ISO 14067 bieten hingegen eine tiefere, detailliertere Betrachtung ausschließlich der Emissionen.
PCF-Berechnungen nach ISO 14067 erfolgen in vier Schritten:
- Ziel- und Geltungsbereichsdefinition (Goal & Scope)
- Sachbilanz (LCI – Life Cycle Inventory)
- Wirkungsabschätzung (LCIA – Life Cycle Impact Assessment)
- Auswertung (Interpretation)
Der Prozess wird hier zwar sequenziell dargestellt, doch die „Auswertung“ muss nicht zwingend am Ende erfolgen. Je tiefer und umfangreicher die Berechnung wird, desto sinnvoller ist eine kontinuierliche Interpretation der Daten und Ergebnisse.

- Ziel- und Geltungsbereichsdefinition (Goal & Scope)
Wie der Name andeutet, wird in dieser Phase der Projektzweck und die Umsetzungsstrategie definiert. Das zu analysierende Produkt/die Dienstleistung wird bestimmt. Anschließend wird festgelegt, welche Produktbestandteile und welche Lebenszyklusphasen analysiert werden.
2. Sachbilanz (LCI)
Diese Phase dient der Datenerhebung und Auflistung. Nachdem in der vorherigen Phase festgelegt wurde, welche Daten erhoben werden, werden diese hier gesammelt und strukturiert.
Die Struktur erfolgt im Format „Ressourcenfluss“. Alle Phasen des Produktlebens werden als Fluss aufgelistet und im Detail beschrieben.
Bei dieser Analyse werden Eingänge wie Rohstoffverbrauch und Energiekonsum sowie Ausgänge wie Emissionsdaten erfasst.
Da dies der komplexeste und fehleranfälligste Teil ist, entscheiden sich Unternehmen hier oft für eine Plattform oder externe Beratung.
3. Wirkungsabschätzung (LCIA)
In Phase 1 wurde definiert, was wie ermittelt wird. In Phase 2 wurden die Daten erhoben und strukturiert. In dieser Phase werden die erhobenen Emissionsdaten in CO₂e umgerechnet. Anschließend wird analysiert, in welcher Phase das Produkt wie viele Emissionen verursacht hat.
4. Auswertung (Interpretation)
Wir haben bereits erwähnt, dass die Auswertung nicht nur am Ende, sondern parallel zu jeder Phase erfolgen sollte. Sie nur als „Zusammenfassung“ zu verstehen, greift zu kurz. In dieser Phase werden die verwendeten Methoden der vorherigen Phasen erneut geprüft und sämtliche Daten verifiziert.
Ziel ist die Identifikation der Prozesse mit den höchsten Emissionen. Anschließend werden mögliche Verbesserungen diskutiert.
Nutzungsmöglichkeiten nach der PCF-Analyse
Nach einer normkonformen Studie gemäß ISO 14067 gibt es für Unternehmen typischerweise drei Nutzungsebenen. Je nach Anforderung kann eine Verifizierung durch Dritte erforderlich sein.
Interne Nutzung
Dies bedeutet, dass Unternehmen ihre Analysen für interne Bewertungen verwenden. Die Zuverlässigkeit ist für Aktionspläne wichtig, eine Verifizierung ist jedoch nicht erforderlich, da keine externe Erklärung erfolgt.
Unternehmen können mithilfe von PCF-Analysen:
- Produktionsprozesse optimieren.
- Lieferkettenprozesse tiefgehend analysieren.
- Emissionsminderungsmaßnahmen entwickeln.
Nutzung für Transparenz und Kommunikation
Unternehmen präsentieren ihre Analysen gegenüber Kunden und Stakeholdern zu verschiedenen Zwecken. Da eine öffentliche Erklärung erfolgt, ist eine Drittverifizierung erforderlich.
- Verbraucherkennzeichnung: Der PCF pro Produkteinheit wird auf dem Produkt vermerkt.
- Mitteilung an Unternehmensstakeholder: PCF-Analysen können in Stakeholder-Berichten enthalten sein.
- Veröffentlichung auf Websites und in Katalogen: Unternehmen können PCF-Analysen aus Reputationsgründen auf verschiedenen Plattformen veröffentlichen.

Erklärung für regulatorische Zwecke
Unternehmen können PCF-Analysen zur Einhaltung verschiedener Regularien erstellen und veröffentlichen. Da gegenüber Behörden berichtet wird, ist eine Drittverifizierung grundsätzlich Pflicht – abhängig vom Regelwerk kann sie aber entfallen.
- CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism): CBAM ist im Umfang enger als der PCF, enthält aber sämtliche Daten, die auch der PCF liefert.
- Eco-Label oder EPD (Environmental Product Declaration): An Kennzeichnungssystemen kann teilgenommen werden.
Produkt-CO₂-Fußabdruck und Blick in die Zukunft
Wir haben bisher erläutert, was PCF-Berechnungen sind, warum sie durchgeführt werden, wie der Prozess abläuft und wofür sie genutzt werden.
Doch wohin entwickelt sich der PCF in Zukunft? Was sollte getan werden, um dem wachsenden Trend zur ökologischen Nachhaltigkeit gerecht zu werden?
Wie erwähnt, gibt es aktuell keine PCF-spezifische Regulierung, wohl aber Regularien für verschiedene Varianten. CBAM ist eine der populärsten. Künftig könnten deutlich umfassendere und komplexere Regularien auf Unternehmen zukommen.
- Kennzeichnungspflichten: Schon jetzt empfehlen einige Staaten und Organisationen CO₂-Emissionslabels auf Produkten. Mit einfacherem PCF-Management ist eine offizielle Regulierung zur CO₂-Kennzeichnung kein fernes Szenario.
- Lieferkettenmanagement: Emissionen aus der Lieferkette sind heute für viele Unternehmen die größte Quelle. Diese Scope-3-Emissionen nach ISO 14064-1 werden aufgrund fehlender Daten und komplexer Verfahren häufig vernachlässigt. Künftig wird eine PCF-basierte Regelung zur Transparenz und Zuverlässigkeit der Lieferkette zwischen Behörden diskutiert.
CarbonSmart und der Produkt-CO₂-Fußabdruck
Wir haben bereits die komplexen und anspruchsvollen Prozesse der PCF-Berechnung erwähnt.
Mit dem „Product Carbon Footprint Management Modul“ von CarbonSmart ist die PCF-Berechnung deutlich einfacher geworden!
Mit dem Modul können Sie die Emissionen Ihrer Produkte berechnen, analysieren und berichten. Auf der Plattform können Sie manuell „Flows“ anlegen oder diese automatisch über eine ERP-Integration beziehen.
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