Der Standard ISO 14067 ist das „Regelwerk“, das die Berechnung und Berichterstattung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks standardisiert. Während der „Produkt-CO₂-Fußabdruck“ ein Prozess und Konzept ist, beschreibt ISO 14067, wie dieser Prozess zu steuern ist.
Was ist der Standard ISO 14067?
ISO 14067 ist ein internationaler Standard zur wissenschaftlichen Berechnung und Berichterstattung der Treibhausgas-Emissionen, die ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus verursacht.
Mit der zunehmenden Bedeutung des Konzepts LCA (Life Cycle Assessment) im 20. Jahrhundert wurden auch Berechnungen des Produkt-CO₂-Fußabdrucks populär. Daher veröffentlichte die ISO den Standard ISO 14067 speziell für den Produkt-CO₂-Fußabdruck.
Er basiert auf den Standards ISO 14040/44 und wurde 2013 erstmals entwickelt und veröffentlicht.
ISO 14067:2013 wurde 2018 überarbeitet und liegt heute weiterhin gültig als ISO 14067:2018 vor.
In seiner aktuellen Fassung nutzt ISO 14067 dasselbe System wie die LCA, fokussiert sich jedoch ausschließlich auf GWP (Global Warming Potential). Während LCA nach ISO 14040 alle Umweltwirkungen eines Produkts in mehreren Kategorien bewertet, konzentriert sich der Produkt-CO₂-Fußabdruck nach ISO 14067 ausschließlich auf die Treibhausgasemissionen des Produkts.
Der Prozess des Produkt-CO₂-Fußabdrucks nach ISO 14067
ISO 14067 gliedert den Berechnungs- und Berichtsprozess ähnlich wie ISO 14040 in vier Phasen.
Diese vier Schritte müssen nicht linear ablaufen. Je nach Projektverlauf können verschiedene Schritte zu unterschiedlichen Zeitpunkten erneut durchlaufen werden.

Ziel- und Geltungsbereichsdefinition (Goal & Scope)
Diese Phase bildet die Grundlage der Studie. Hier werden festgelegt: Für welches Produkt der CO₂-Fußabdruck berechnet wird, warum er berechnet wird, welche Systemgrenzen gelten (Cradle-to-Grave, Cradle-to-Gate) und wie die Einheiten festgelegt werden.
- Produktdefinition
- Festlegung der funktionellen Einheit (z. B. 1 Liter Milch)
- Festlegung der Systemgrenzen
- Definition von Annahmen, Datenquellen und Datenqualität
In dieser Phase wird zudem entschieden, ob auch andere Treibhausgase als CO₂ einbezogen werden und welcher GWP-Zeitrahmen (meist 100 Jahre) verwendet wird.
Sachbilanz (LCI)
In dieser Phase werden alle Eingangs- und Ausgangsdaten im Lebenszyklus des Produkts erfasst. Nach ISO 14067 werden ausschließlich treibhausgasrelevante Prozesse berücksichtigt.
- Rohstoffverbrauch
- Energieverbrauch
- Logistikdaten
- Prozessemissionen
- Abfallbeseitigungsprozesse
Diese Eingangsdaten für die Berechnung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks werden erhoben.
Wirkungsabschätzung (LCIA)
Im Unterschied zur LCA werden hier nur GWP-Werte berechnet. Jedes Treibhausgas wird mit dem vom IPCC festgelegten GWP-Faktor multipliziert und in CO₂e (CO₂-Äquivalente) umgerechnet. Die Daten werden anschließend in CO₂e aggregiert.
Wenn man die Sachbilanz als Datenerhebung versteht, ist die Wirkungsabschätzung die Phase, in der aus diesen Daten aussagekräftige Ergebnisse generiert werden.
Auswertung (Interpretation)
In dieser Phase werden die Ergebnisse auf Richtigkeit und Konsistenz geprüft und anschließend berichtet.
Es wird bewertet, ob der Zweck des Prozesses erreicht wurde, welche Unsicherheiten bestehen, welche Reduktionsstrategien möglich sind und wie der Bericht weiter genutzt wird.
Die Bedeutung des Standards ISO 14067
Der Standard ISO 14067 gewährleistet, dass Studien zum Produkt-CO₂-Fußabdruck international zuverlässig und transparent sind. Studien nach diesem Standard haben mehrere Einsatzbereiche.
Vertrauen für Stakeholder
Ein korrekt durchgeführter Produkt-CO₂-Fußabdruck ist – ähnlich der LCA – eine der verlässlichsten Datenquellen für Stakeholder. Obwohl er produkt- oder servicebezogen ist, steigert er die Reputation auf Produkt- wie auf Unternehmensebene.
Regulatorische Compliance
Obwohl die Berechnung des Produkt-CO₂-Fußabdrucks aktuell nicht verpflichtend ist, kann sie künftigen Regulierungen vorgreifen und Unternehmen frühzeitig vorbereiten.
Die bereits geltende CBAM-Verordnung (CO₂-Grenzausgleichssystem der EU) ist im Kern ein Produkt-CO₂-Fußabdruck-Prozess mit engem Umfang (Gate-to-Gate). Normkonforme Berechnungen erleichtern die CBAM-Compliance erheblich.
Verifizierung und Produktkennzeichnung
Nach der Berechnung kann ein Carbon-Footprint-Label für das Produkt erstellt werden. Eine Verifizierung ist dabei nicht zwingend erforderlich. Eine verifizierbare Kennzeichnung dient jedoch sowohl der Vorbereitung auf künftige Verpflichtungen als auch der Vertrauensbildung bei Endkunden.

CarbonSmart und der Produkt-CO₂-Fußabdruck
Wir haben bereits die komplexen und anspruchsvollen Prozesse der Produkt-CO₂-Fußabdruck-Berechnung erwähnt.
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